Was ist ADHS?


Was bedeutet POS? Oder was ist ADS, ADHS, ADD, HKS...

Wissenswertes über POS und ADHS
Kinder, die durch ihr Verhalten immer wieder negativ auffallen, gab es schon immer. Früher unterstellte man diesen Kindern einen schlechten Charakter oder böse Absicht. Heutige Erkenntnisse zeigen, dass in vielen Fällen die Ursache des gestörten Verhaltens eine angeborene Entwicklungsstörung ist, die sich meist als Reifeverzögerung äussert.

POS steht für Psycho-Organisches Syndrom und ist die schweizerische Bezeichnung für diese neurobiologische Funktionsstörung, welche die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen im Gehirn beeinträchtigt. Neuerdings begegnet man im deutschsprachigen Raum vermehrt der Bezeichnung ADHS.Dazu kommen auch andere Bezeichnungen, welche dieselben Probleme umschreiben.

Begriffsdefinitionen:
- POS = Psycho-Organisches Syndrom
- ADHS = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität; "Zappelphilipp" ohne Hyperaktivität; "Träumer" ADHS ist die gebräuchlichste Bezeichnung im ganzen deutschsprachigen Raum.
- ADD = Attention Deficit Disorder, (international: Attention Deficit Disorder)
- ADHD = Attention Deficit (Hyperactivity) Disorder
- HKS = Hyperkinetisches Syndrom / Hyperkinetische Störung
- MBD = Minimal Brain Damage / Minimal Brain Dysfunktion
- Hyperaktive Kinder
- Hyperaktivitätsstörung
- Zappelphilipp-Syndrom
- leichte oder minimale Hirnfunktionsstörung
- Cerebrale Dysfunktion
- Wahrnehmungsstörungen
- Teilleistungsstörungen
- Verzögerte Hirnreifung

elpos hält aus folgenden Gründen an der Bezeichnung POS fest:
Dank einer konstanten Öffentlichkeitsarbeit seit über 25 Jahren ist das POS einem grossen Teil der Schweizer Bevölkerung und vor allem den meisten Lehrpersonen ein Begriff.
Die Bezeichnung POS ist sinnvoll, weil sie sowohl die organische Ursache wie auch den psychosozialen Aspekt berücksichtigt, während viele andere Bezeichnungen von bestimmten Verhalten ausgehen, welche durchaus auch andere Ursachen haben können.
Die IV anerkennt das POS als Geburtsgebrechen und übernimmt bei deutlich ausgeprägten POS-Symptomen zum Teil Kosten von Therapien und/ode

Kinder mit Schwierigkeiten - die Symptome
Das POS drückt sich in ganz unterschiedlichen Symptomen aus (Syndrom ist der Sammelbegriff für mehrere Symptome). Jedes POS-Kind ist wieder anders, einerseits, weil sowieso jeder Mensch in seiner Art einmalig ist, und andererseits, weil verschiedene Hirnstrukturen in unterschiedlichem Ausmass betroffen sind. Glücklicherweise sind bei einem POS-Kind selten alle nachfolgend aufgeführten Störungen zu beobachten. Trotzdem, wie ein roter Faden ziehen sich die Probleme - mehr oder weniger ausgeprägt - durch das Leben eines jeden POS-Kindes.
Im Vorschulalter fallen vor allem die Hyperaktivität und die Impulsivität auf. Die Aufmerksamkeitsstörung wird oft erst in der Schulzeit zu einem Problem und führt in vielen Fällen zu Schulversagen. Dies wohl bemerkt bei normaler Intelligenz.
Durch sein auffälliges Verhalten bringt das Kind sich und seine Familie immer wieder in sehr unangenehme Situationen. Nicht selten gestalten sich auch die sozialen Kontakte ausserhalb der Familie äusserst schwierig, und stellen für Eltern und Geschwister eine enorme Belastung dar.

POS-Kinder sind nicht dumm, faul oder böse - Vorwürfe, die sie immer wieder zu hören bekommen.

Symptombeschreibung:

Impulsivität
Mangelnde Selbstkontrolle, niedrige Frustrationstoleranz, aufbrausend und laut, überschiessende Reaktionen, aber auch Zurückziehen in sich selbst (Hypoaktivität)

Motorische Unruhe (Hyperaktivität)

Rastlosigkeit, die Kinder sind dauernd sinnlos in Bewegung, können keinen Moment stillsitzen, müssen ihre Körperstellung immer wieder verändern

Wahrnehmungsstörungen
mangelhafte taktil-kinästhetische Wahrnehmung (Tast- und Bewegungssinn)
mangelhafte auditive Wahrnehmung (Verarbeitung gehörter Reize)
mangelhafte visuelle Wahrnehmung (Verarbeitung gesehener Reize)

Konzentrationsstörungen
Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, rasche geistige Ermüdung und daher wenig Ausdauer, schlechte serielle Merkfähigkeit

Koordinationsschwierigkeiten
Gestörte Grob- und/oder Feinmotorik, ungeschickte und unkontrollierte Bewegungen, schlechtes Körpergefühl

Soziale Schwierigkeiten
Widerstand gegen soziale Forderungen sowie Ge- und Verbote, rechthaberisches oder läppisches Verhalten, grosse Mühe, sich anzupassen und einzuordnen, Einzelgänger, Ablehnung durch Gleichaltrige (Sündenbock)

Schulschwierigkeiten

Mangelnde Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit, möglicherweise Legasthenie und/oder Dyskalkulie aufgrund von Wahrnehmungsstörungen, Mühe beim Schreiben und/oder Sport

Emotionale Schwierigkeiten
Niederes Selbstwertgefühl, Depressionen, extreme Stimmungsschwankungen, Gefühlsausbrüche wie Wutanfälle oder auch überbordende Freude, übermässige Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Unzufriedenheit, Wetterfühligkeit, Aggressivität

Emotionale Unreife
Nicht altersgemässe emotionale und soziale Entwicklung sowie Leistungsvermögen

Positive Eigenschaften
Glücklicherweise haben POS-Kinder nicht nur belastende, sondern auch viele erfreuliche Eigenschaften. Oft sind sie ausserordentlich begeisterungsfähig und lebensbejahend. Sie sind liebesfähig und nicht nachtragend. Gezwungen, ihre Wahrnehmungsstörungen zu kompensieren, werden sie zu originellen Problemlösern, die ihre Umgebung mit kreativen Ideen und Strategien überraschen.
POS-Kinder sind: sensibel, vertrauensvoll, anhänglich, spontan, originell. Oftmals haben sie einseitige, grosse Begabungen und Interessen, welche sie mit grosser Hartnäckigkeit verfolgen.

Wie häufig kommt die Störung vor?

5 - 10 % der Kinder sind in einem Ausmass betroffen, dass ihre persönliche und schulische Entwicklung gefährdet ist, d.h. pro Schulklasse im Schnitt 1 - 2 Kinder. Sie kommen mit sich selbst nicht zurecht und leiden unter der Ablehnung durch die Umwelt, vor allem durch ihre Kameraden. Trotz grosser Anstrengung und gutem Willen erleben sie immer wieder Misserfolge sowohl bei ihren Leistungen wie auch im Zusammenleben mit anderen Kindern. Frustration, Minderwertigkeitsgefühle, Mutlosigkeit, Resignation, Aggressionen oder Depressionen, die sogenannten sekundären Symptome, sind die Folge. Diese Kinder und ihre Familien stehen unter einem enormen Leidensdruck, und auch andere Bezugspersonen, wie z.B. Lehrpersonen, kommen an ihre Grenzen.

Therapiemöglichkeiten
Es ist sehr wichtig, dass ein POS-Kind möglichst früh erkannt wird, und dadurch das notwendige Verständnis und wirkungsvolle Hilfe erhält.
An erster Stelle steht immer die Information über das POS, seine Auswirkungen und die zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten. Wichtig ist es auch, erfahrene Fachleute zu finden.
Die Therapiepalette reicht von der medikamentöser Behandlung und Verhaltenstherapien über Psychomotorik, Heilpädagogischer Unterstützung und Diäten bis zur Homöopathie, Laser-Akupunktur, Neurofeedback und Ergotherapie, um nur die geläufigsten zu nennen. Natürlich bestehen zusätzlich unzählige Therapieangebote.
Die Therapien sollen immer sorgfältig ausgewählt und individuell auf das betroffene Kind abgestimmt werden. Ausschlaggebend für die Wahl der Therapieform sind :

- Der Leidensdruck
- Der Schweregrad der Symptomatik
- Das Alter des Kindes
- Akzeptanz der Therapieform von Eltern und Kind
- Regionale Angebote

Informationen zu verschiedenen Therapien und Adressen von Therapeuten erhalten Sie auf der Beratungsstelle.